Chronische Schmerzen behandeln

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Beschwerdebild

Chronische Schmerzen – das ganze Bild verstehen

Wenn Schmerzen länger als drei Monate anhalten, spielt meist mehr als nur das Gewebe eine Rolle. Das Nervensystem wird empfindlicher, und Faktoren wie Stress, Schlaf, Sorgen, Lebensstil und Bewegungsverhalten beeinflussen den Schmerz.

Am besten wirkt deshalb eine ursachenorientierte Therapie, die alle diese Bereiche berücksichtigt und Ihnen aktive Wege aufzeigt, selbst etwas zu verändern. Schmerz ist real – auch wenn im Bild «nichts» zu sehen ist.

Physiotherapie bei chronischen Schmerzen

Wirkprinzip

Warum Schmerzen chronisch werden können

NervensystemEmpfindlicher AlarmBei anhaltenden Schmerzen reagiert das Nervensystem oft stärker als nötig – wie eine Alarmanlage, die schon bei leichtem Wind auslöst.
VerhaltenSchonung und AngstWer aus Angst vor Schmerz Bewegungen meidet, wird steifer und schwächer – und der Schmerz bleibt.
LebensumständeStress und SchlafBelastungen im Alltag, schlechter Schlaf und Sorgen verstärken Schmerzen nachweislich.
Gute NachrichtVeränderbarDas Nervensystem kann wieder lernen. Mit Verständnis, schrittweiser Bewegung und neuen Strategien sinken Schmerzen und Einschränkungen.

Wissenschaftliche Evidenz

Was bei chronischen Schmerzen wirkt

CFT · Lancet 2023Grosse, anhaltende WirkungIn der RESTORE-Studie mit 492 Betroffenen führte Cognitive Functional Therapy zu grossen und anhaltenden Verbesserungen bei chronischen Rückenschmerzen – zu deutlich tieferen Kosten als die übliche Versorgung.
Drei JahreEffekt hält anDie Nachbeobachtung zeigte, dass die Verbesserungen auch nach drei Jahren noch bestanden – eine Seltenheit bei Behandlungen von Rückenschmerzen.
TrainingBewegung als TherapieEin Cochrane Review mit 249 Studien zeigt: Training reduziert anhaltende Rückenschmerzen deutlich besser als keine Behandlung.

Unser Ansatz: Wir kombinieren Schmerzverständnis (Explain Pain), schrittweisen Belastungsaufbau, Training und Strategien für den Alltag – individuell abgestimmt auf Ihre Situation.

Analyse bei chronischen Schmerzen

Diagnostik und Behandlung

Unser Vorgehen

  • Genaue Analyse des Gesamtbildes mittels ICF
  • Spezifische Fragebögen zur genaueren Einordnung
  • Analyse von Bewegungsverhalten und schmerzbedingten Haltungsmustern
  • Verständliche Information über Schmerz und Behandlungsmöglichkeiten (Explain Pain)
  • Cognitive Functional Therapy (CFT)
  • Pacing: Aktivität klug dosieren und schrittweise steigern
  • Training und Begleitung in den Alltag

FAQ

Häufige Fragen zu chronischen Schmerzen

Bedeutet mehr Schmerz mehr Schaden?

Bei chronischen Schmerzen meistens nicht. Schmerz ist ein Schutzsignal des Nervensystems und kann stark sein, ohne dass Gewebe geschädigt wird. Dieses Wissen hilft vielen, sich wieder mehr zuzutrauen.

Ist mein Schmerz «nur im Kopf»?

Nein. Ihr Schmerz ist echt. Das Gehirn verarbeitet alle Schmerzen – bei anhaltenden Schmerzen verändert sich diese Verarbeitung. Genau dort setzen moderne Therapien an.

Was ist Pacing?

Pacing heisst, Aktivitäten so zu dosieren, dass Sie nicht in den Kreislauf aus Überlastung und langer Pause geraten. Sie steigern Ihre Aktivität schrittweise und planbar.

Wie lange dauert die Behandlung?

Chronische Schmerzen brauchen Zeit. In Studien zur CFT reichten wenige Sitzungen über einige Wochen für deutliche Verbesserungen. Wir planen die Begleitung gemeinsam und passen sie Ihrem Fortschritt an.

Ich war schon überall – was ist bei Ihnen anders?

Wir betrachten das ganze Bild statt nur einer Struktur. Bei komplexen Verläufen bieten wir zudem eine Analyse und 2. Meinung an.

Schmerz verstehen

Häufige Irrtümer – und was die Forschung zeigt

Irrtum«Schmerz bedeutet immer Schaden.»Bei anhaltenden Schmerzen hängt die Stärke des Schmerzes kaum vom Zustand des Gewebes ab. Das Nervensystem ist empfindlicher geworden – Schmerz ist ein Schutzsignal, kein Mass für Schaden.
Irrtum«Das MRI zeigt, woher der Schmerz kommt.»Abnützungen und Bandscheibenvorwölbungen finden sich auch bei sehr vielen Menschen ohne Schmerzen. Bilder erklären anhaltende Schmerzen deshalb selten.
Irrtum«Mit Schmerzen soll ich mich schonen.»Längere Schonung macht steifer, schwächer und empfindlicher. Schrittweise, gut dosierte Bewegung gehört zu den wirksamsten Behandlungen.
Irrtum«Mein Rücken ist verletzlich – Bücken und Heben sind gefährlich.»Die Wirbelsäule ist stark und anpassungsfähig. Gezielt trainiert sind Bücken und Heben sicher – auch mit Rückenschmerzen.
Irrtum«Stress und Schlaf haben nichts mit meinen Schmerzen zu tun.»Stress, schlechter Schlaf und Sorgen verstärken Schmerzen nachweislich. Die gute Nachricht: Diese Faktoren lassen sich beeinflussen.
Irrtum«Anhaltende Schmerzen werden nie besser.»Das Nervensystem bleibt lernfähig. Mit Verständnis, Bewegung und neuen Strategien bessern sich Schmerzen und Alltag bei vielen Betroffenen deutlich.

Mehr dazu: Cognitive Functional Therapy (CFT) · Rückenbeschwerden · Analyse und 2. Meinung bei komplexen Verläufen

Quellen: Kent P et al., Lancet 2023 (RESTORE-Studie) und Lancet Rheumatology 2025 (3-Jahres-Ergebnisse) · Hayden JA et al., Cochrane Review 2021 (Training) · O’Sullivan PB et al., Br J Sports Med 2020 (Fakten über Rückenschmerzen) · Moseley GL, Butler DS, J Pain 2015 (Schmerzedukation) · Brinjikji W et al., AJNR 2015 (Bildgebung) · Mehr Infos: Body Logic Physiotherapy (CFT)

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